Die Türen und Herzen stehen weit offen
Zusammenleben Wie Integration funktionieren kann, zeigt ein Blick ins Café International – Sprachpartner gesucht

Von unserer Redakteurin Vera Müller

Idar-Oberstein. Wie Integration funktionieren kann, zeigt sich seit mehr als zwei Jahren im Café International in Idar-Oberstein. Jeden Montag von 16 bis 19 Uhr werden die Türen (und Herzen) im Begegnungszentrum Gewerbehalle geöffnet, damit Menschen aus den verschiedensten Kulturen sich treffen und in einen Dialog treten können. Was im Mai 2015 als Sprung ins Ungewisse angefangen habe, entwickelte sich in den vergangenen Jahren sehr positiv, freuen sich die Mitinitiatoren Silvia Fickus und Del Penner.

Zum einen sei das Café ein Treffpunkt und eine Anlaufstelle für Flüchtlinge und Einheimische, zum anderen entstünden aus den Café-Treffen sehr viele spannende Nebenaktivitäten, damit Geflüchtete sich in der neuen Kultur und Umgebung besser zurechtfinden – aber auch, damit Einheimische die andere Kultur und Menschen besser kennenlernen können.

Ausgangspunkt sei immer die montägliche Café-Zeit: „Eine entspannte Wohlfühlzeit mit Kaffee, Tee, Kuchen, Keksen und anderen Leckereien, in der aber auch Gesellschaftsspiele oder Tischtennis, Kicker und Billiarde gespielt werden können. Die Angebote sind vielfältig, der Austausch und die Begegnung stehen dabei immer im Vordergrund. Für viele Flüchtlinge ist es heute immer noch die einzige Zeit, in der sie mit Deutschen in Kontakt kommen können. Sie sind sehr interessiert daran, ihr im Sprachkurs bisher erlerntes Deutsch auch einmal anwenden zu können.“ Dringend werden deshalb Sprachpartner gesucht: „Das sind Einheimische, die sich mit den Geflüchteten ganz niedrigschwellig und locker über dies und jenes unterhalten.“

Viele gute Beziehungen und Freundschaften sind durch das Café entstanden. Waren es am Anfang fast ausschließlich junge Männer, kommen mittlerweile jeden Montag 30 bis 60 integrationsbereite Jugendliche und ganze Familien. Penner schätzt, dass mehr als 250 Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran, Afghanistan, dem Irak, Eritrea, Somalia und vielen anderen Ländern das Angebot des Cafés bereits angenommen haben, einige sind bis heute dem Treff treu geblieben. Andere würden gern häufiger kommen, da sie aber bereits Arbeit gefunden haben, können sie nur im Urlaub auf Besuch ins Café kommen.

„Meiner Meinung nach ist das Café International eine große Familie“, sagt ein Migrant. „Die Helfer dort sind für uns wie Eltern und Geschwister. Sie sind nette Männer und Frauen, und sie geben uns viel Hilfe, für uns, Leute aus den verschiedenen Ländern, als wären wir Brüder.“ Ein anderer meint: „Das Café International ist der Anfang unserer Integration. Es ist eine gute Einrichtung, damit Leute einander kennenlernen können. Besonders wir Flüchtlinge brauchen immer Hilfe, und dort haben wir sie gefunden, so wie wir sie gebraucht haben.“

Das Café International hat sich in den zwei Jahren immer weiter entwickelt, viele Angebote werden während, aber auch über die Café-Zeit hinaus angeboten: So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Hilfsangebote und die Beratungsgespräche. Vier Sprachkurse auf verschiedenen Niveaus werden zurzeit angeboten, aber auch wichtige Hilfen und Begleitungen gegeben – etwa bei Asylverfahren, Behördengängen, Arztterminen, bei der Arbeits- und Wohnungssuche, Schülerhilfe, Vermittlung in Vereine, bei Fahrradvermittlung und -reparatur und vieles mehr.Die „Seele“ stelle ein starkes Team von rund 30 ehrenamtlichen und wenigen hauptamtlichen Mitarbeitern, die mit ganzem Herzen dabei seien, erläutert Penner. Jedoch werden dringend weitere Helfer – Rentner, Schüler und Studenten – gesucht: Sprachpartner etwa, die sich gezielt mit Flüchtlingen unterhalten wollen, oder technisch versierte „Bossler“ für die Fahrradwerkstatt. Handwerklich geschickte Helfer, die in den Wohnungen der Flüchtlinge kleine Reparaturen erledigen können, werden ebenso gesucht. Dringend werden auch Fahrräder in allen Größen benötigt.

Kontakt: Café International, www.cafe-international-io.de (auch auf Facebook unter Café International), Mail: info@we-share.de

Nahe Zeitung vom Donnerstag, 24. August 2017,